Spirit der Reise
Anfang März hatten wir unser neues E-Auto übernommen. Die Jungfernfahrt sollte gleich ein echter Härtetest werden: Ziel war Omaha Beach in der Normandie. Wir waren, wie immer, kurz entschlossen und von langer Hand unvorbereitet. Unsere liebste Rezeptur, wenn wir auf Reisen gehen: Einsteigen und Gas geben Richtung Westen. Auf dem Weg sammelten wir allerbeste Zutaten aus dem obersten Regal: Kultur, Geschichte, Städte und Landschaften und natürlich Essen & Trinken! Vergessen wir nicht das großartige Wetter. Denn – seien wir ehrlich – es hätte Ende März auch mal regnen und kalt sein können. Hat es aber nicht:)
Nach einer Mittagspause in Karlsruhe – Schloss, Bundesverfassungsgericht & KSC-Fanshop – trudelten wir weiter Richtung Pfalz, einer meiner Lieblingsregionen in Deutschland.
Pfalz statt Portugal
Der Tipp kam von unserem Tennisfreund Christian: „Macht doch einen Stopp in der Pfalz zur Mandelblüte. Das müsste zeitlich genau passen.“ So landeten wir in St. Martin. Dort ist jedes Haus entweder eine Weinstube oder ein Hotel oder beides, meist in rustikal gemütlichen Ambiente. Ringsum blühten tatsächlich die Mandelbäume in voller Pracht. Man muss dafür nicht extra nach Portugal! Dahinter thront das Hambacher Schloss – als Wiege der deutschen Demokratie ein lohnenswerter Abstecher… heute mehr denn je. Die abendlichen politischen Diskussionen unterlegten wir mit einem Pfälzer Saumagen-Carpaccio und einer schönen Flasche Riesling. So kenne und liebe ich die Pfalz!
Auf nach Belgien
Über die Hauensteiner Schuhmeile und durch das Saarland ging es weiter nach Luxemburg Dort blieben wir zum Mittagessen und für einen kleinen Spaziergang durch die sehr internationale und offensichtlich wohlhabende Stadt. Ein halber Tag reicht dafür, aber den sollte man sich nehmen, wenn man in der Gegend ist.
Das Atomium in Brüssel verfolgt mich seit meiner Kindheit, weil es Teil eines Städte-Quartetts war. Endlich durfte ich es aus der Nähe und von innen bestaunen. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall und wir empfehlen auch hier: Online Buchung vorab! An diesem Samstagabend war ordentlich was los in der Altstadt: Viele junge Leute, unzählige Brasserien und eine schöne Stimmung – vor allem am Grand Place.

Unsere zweite belgische Station war Brügge. In der schönen, quirligen Altstadt mit ihren stattlichen Brügerhäusern und Kirchen spürt man noch heute, dass die Stadt als früheres Handelszentrum mal sehr reich gewesen war. Heute brummt es nur so vor Touristen. Dabei waren wir ja nicht mal in der Hochsaison unterwegs.

Frankreich, wir kommen!
Bis dato war Anreise, ab sofort beginnt die eigentliche Reise. Wir cruisten mit belgischem Tempo über die Grenze, vorbei an Dunkerque und Calais, und fanden ein feines kleines Quartier in Wissant, direkt am Ärmelkanal. Am nächsten Tag zuckelten wir entlang der Côte Opale. Am Cap Gris Nez kann man bei gutem Wetter die 33 km bis Dover rüber schauen. Wir spazierten durch den Naturpark der Somme-Mündung und fuhren dann weiter entlang der Alabasterküste in der Picardie.
Étretat ist bekannt für seine gewaltigen Kreidefelsen, quasi das französische Pendant zu denen von Dover. Der Ort ist ziemlich überlaufen. Wir suchten uns lieber ruhigere Stellen für die unvermeidbaren Klippenfotos. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen sattgrüne Landschaften, dazwischen weiße Klippen – so schnurrten wir knappe 300 km bis Honfleur, einem kleinen mittelalterlichen Städtchen, das vom Krieg verschont geblieben war. Anders als Le Havre, das man über die grandiose Pont de Normandie über die Seine-Mündung in wenigen Minuten erreicht.
In Honfleur waren wir sofort verliebt – nicht nur weil es im Département Calvados an der Côte Fleurie liegt. Hier kann man tief eintauchen in die Schönheiten der Normandie. Austern, Fisch, Crémant und Käse sollten auf keinen Fall zu kurz kommen.
Am nächsten Tag war es dann soweit. Wir erreichten Omaha Beach. Wir verbrachten einige Stunden entlang des Küstenabschnitts, wo die Landung der Alliierten stattgefunden hatte. Der US Soldatenfriedhof und das dazugehörige Museum sind großartig aufbereitet und gepflegt. Der Besuch war für mich sehr bewegend.

Übernachtet haben wir in Bayeux, im wohl besten Hotel unserer Reise: dem Lion d´Or. Das Museum mit dem berühmten Teppich von Bayeux wurde gerade renoviert. Wir waren vor zig Jahren schon mal drin. Daher konzentrierten wir uns auf die Altstadt, die Austern und die Kathedrale. Überhaupt glich unser Rückweg einem Kathedralen-Hopping: Bayeux, Rouen, Amiens – die Kathedrale dort ist gewaltig – und schließlich noch Verdun als letzte Station unseres Frühjahr-Roadtrips 2026. In Verdun schlug dann das Wetter um. Der Regen passte eh besser zur Stimmung beim Besuch des Memorials und des Beinhauses. Wie gut, dass all das überwunden ist.

Frankreich ist ein großartiges Land, das wir schon seit der Jugend bereisen. Die Normandie haben wir dieses Jahr neu entdeckt. Welch wundervolle Region!

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