Reisezeit und Dauer
20. bis 31. Juli 2026
20. bis 31. Juli 2026
Sobald man englischen Boden betritt, steht man knietief in Geschichte und Kultur. Egal ob Schlösser, Burgen, Universitäten, Eichenwälder oder Pubs – alles ist ein paar Hundert Jahre alt. So tingelten wir 12 Tage bei bestem Wetter entspannt durch traumhafte Landschaften, schlängelten uns über Kurven zwischen Hecken in versteckte Buchten und entdeckten dabei charmante Unterkünfte und zünftige Pubs.
Wir waren fast immer auf dem Land unterwegs – mit Ausnahme von Bath, Lincoln und Oxford. Vielleicht war das der Grund, das wir durchweg freundliche Menschen trafen, die immer ein Lächeln und ein Schwätzchen parat hatten (ok, bis auf die Bardame in Castle Combe)?
Mag sein, dass Straßen, Hotels, Häuser oder öffentliche Einrichtungen an vielen Stellen etwas einfacher sind als in Deutschland. Der Laune der Menschen tut dies keinen Abbruch. Die Menschen auf der Insel leben Herzlichkeit, Humor und Respekt auf sehr sympathische Art. So viel zur Lage der Nation. Aber wir wollten uns ja das Land anschauen…

Unsere Anreise hatten wir geplant für den Tag, nach dem England Fußball-Weltmeister geworden sein sollte. Wir würden im Pub mit den Einheimischen anstoßen auf das Ende von „60 years of hurt“. Aber die Three Lions haben uns allen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hilft ja nix: Mit deren drittem Platz im Rücken sind wir nach London geflogen und haben von dort aus ein Auto genommen Richtung Windsor. Nach einem langen Tag übernachteten im Toby Old Carvery, einem sauberen Motel mit solider Bar. Am nächsten Morgen starteten wir standesgemäß mit einem Full English Breakfast – leider ohne Kippers…

Schloss Windsor war dieser Tage leider geschlossen – wegen Renovierung nach dem WM Aus? Wir mussten uns also mit Spaziergängen rund ums Schloß begnügen. Wenigstens der Wachwechsel wurde routinemäßig um 11.00 Uhr durchgezogen.
Was vom ersten Tag an auffällt: die Menschen hier sind – auch ohne WM Titel – sehr freundlich und immer zum Scherzen aufgelegt. Jederzeit hilfsbereit und rücksichtsvoll, auch und vor allem im Straßenverkehr, der mit Tempolimit dahin schnurrt wie eine Katze auf Rollschuhen. Und dann scheint auch noch die ganze Zeit die Sonne bei 25 Grad. Das Land wirkt gemütlich und erwärmend dieser Tage.

Wir fuhren rund 1,5 Stunden von Windsor bis zum Besucherzentrum dieses Weltkulturerbes. Selbst Busladungen von Touristen mit Eiscreme und Coke können diesem Ort den Zauber nicht nehmen. Wir marschierten vom Besucherzentrum die 2 km bis zu „den Steinen“ und gingen einmal den magischen Kreis ab. Es ist kaum zu glauben, wie Menschen vor Tausenden von Jahren die Steine für dieses Bauwerk beschaffen, transportieren und so konstruieren konnten. Man kann sich einiges erklären lassen in der benachbarten Ausstellung Aber vieles bleibt bis heute ein Rätsel.

Von einem Weltkulturerbe zum anderen… Bath ist ein kleines, durch und durch englisches Städtchen. Graubraune Steinhäuser mit hohen Kaminen bestimmen das Stadtbild. Es wimmelt von Geschäften, Pubs und Restaurants. Gehen ist die beste und schnellste Art der Fortbewegung. Autofahren kann man sich sparen in dieser kleinen, engen Stadt. Unser „B&B Oldfields House“ lag perfekt – nur gute 10 Minuten zu Fuß vom Stadtkern.
Der eigentliche Kracher sind die römischen Bäder, die seit ein paar 1000 Jahren in der Stadt angesiedelt sind und erst vor wenigen Hundert Jahren wieder entdeckt wurden. Heute sind sie die Triebfeder des Tourismus in Bath. Der Eintritt von knapp 40 Euro ist happig – aber das Geld wert.
Nahezu alle Museen und Kirchen in UK sind mit ordentlichen Eintrittsgeldern belegt. Manche sind trotzdem so gefragt, dass nur eine frühzeitige Online-Buchung den Zutritt am gewünschten Tag sichert.
Wenn man wie wir zwei Tage durch Bath marschiert, kommt man früher oder später an allen schönen Plätzen vorbei wie der Pulteney Bridge oder Royal Crescent. Bath ist auf jeden Fall einen Stopp wert. Und von Bath aus ist es nicht mehr weit nach Wales.

Es war Ferienzeit und das merkte man auf den Autobahnen von England Richtung Wales. Die Hauptstadt Cardiff ließen wir links liegen. Nach Swansea wurde es etwas ruhiger. Zwei Tage kreuzten wir durch den grandiosen Pembrokeshire National Park am südwestlichen Zipfel von Wales.
Im „Brown´s Hotel“ in Laugharne fanden wir ein für diese Gegend eher fancy Restaurant. Aber gut, zwischendurch kann man das schon mal machen. Wobei wir sonst landestypische – und im Falle von Wales wären das eher einfachere – Unterkünfte und Speisen bevorzugen. Die haben wir dann in Perfektion am nächsten Tag erwischt, als wir im Red Lion in Cardigan landeten. Unten im Pub war schon um 5 Uhr nachmittags die Hölle los. Und das sollte bis Mitternacht nicht entspannter werden:) Uns war´s egal: die Zimmer waren sauber und zentral. Zum Essen waren wir im Black Lion. Wir hatten einen Mordshunger (und Durst) nach unserem ersten Wandertag auf dem Walisischen Küstenpfad von Cardigan nach St. Davids und zurück.
Die Landschaften sind bezaubernd, nicht so gewaltig wie die englischen Küsten, aber satt, grün, gemütlich und wunderschön. Am Tag drauf wanderten wir rund um Ynys Lochtyn, von Llangnanog Beach aus: unbedingt empfehlenswert und gar nicht so anstrengend. Je weiter man sich vom Süden entfernt, desto ruhiger wird es, aber auch etwas frischer – und wir spürten die ersten Regentropfen.

Ja, es geht ein Stück rustikaler zu in Nordwales. Und man muss auch sagen, etwas einfacher und ärmer. Auf dem Weg nach Norden wollten wir in der Provinzhauptstadt Aberystwyth kurz was essen, aber die Stadt war so wenig einladend, so dass wir uns nur schnell im Spar versorgten. Die Sandwiches verdrückten wir in den Sanddünen des Ynyslas National Nature Reserve, wo uns der Wind gehörig durch die Jacken pfiff. Umso liebenswerter war dann unser „Ty Mawr Hotel“ in Llanbedr. Da kann man schon mal länger bleiben und den Snowdonia NP erkunden. Bei uns spielt das Wetter leider nicht mit. so dass wir am nächsten Tag keine Wanderung machten, sondern eine Burgen-Tour. In Harlech, UNESCO Weltkulturerbe, nieselte es noch ziemlich durch die Scharten. In Conwy schien schon wieder die Sonne. Das Wetter wechselt schnell, vor allem in Nordwales.
Wales? Ein wunderbares Urlaubsland für Naturliebhaber und Leute, die es etwas entspannter angehen wollen. Höchstwahrscheinlich eklatant unterschätzt.

Wer – wie wir – aus Bayern kommt, wird nur schwerlich beeindruckt durch Berge und Höhenwege. Der Peak District National Park bietet eh keine spektakulären Felswände, sondern glänzt durch entspannte und gleichzeitig gediegene Natürlichkeit. Es ist grün, so weit das Auge reicht. Dazwischen tummeln sich ein paar kuschelige Orte mit Pubs. Auf Wanderungen begegnet man Hunderten von Schafen, aber maximal einer Handvoll Menschen (die treten einem am Tegernsee schon am Parkplatz auf die Füße). Die zwei Tage im „The George“ in Hathersage waren eine ideale, weil moderate Überleitung von Wales in das englische Landleben.

Weiter Richtung Süden, bloß wie? Wir entschieden uns für eine historische Schleife. Der Sherwood Forest, Heimat meines Idols Robin Hood, war die erste Station, die wir davor gar nicht auf dem Zettel hatten. Die uralten Eichenwälder machen den Abstecher lohnenswert – nicht nur für Fans.
Dass Lincoln eine der schönsten und historischsten Städte Englands sein soll, hatte ich irgendwann vor der Reise aufgeschnappt. Und tatsächlich: Burg, Kathedrale und Altstadt triefen nur so von Geschichte. Unbedingt reinschauen, wenn ihr in der Gegend seid!
Mit 17 Jahren war ich zuletzt in Stratford-upon-Avon und hatte es malerisch in Erinnerung. Aber entweder war meine Erinnerung schwach oder die Stadt hatte sich stark verändert in ein mittelgroßes Touristenspektakel. Das Hauptziel, das Geburtshaus Shakespeaeres, kann man nur gegen Eintritt sehen. Der Rest ist keine Erzählung wert.

Ehrlich gesagt hatte ich davor noch nie was gehört von dieser – offenbar gehypten – Region. Halb Hollywood soll hier auf Häusersuche sein…
Stellt es euch vor wie die Auenlandschaft im „Herr der Ringe“ oder ein Disneyworld des Mittelalters: schnuckelige Dörfer durchspicken diese märchenhafte Landschaft. Flüsse schlängeln sich unter malerischen Steinbrücken (keine jünger als 600 Jahre) und im Hintergrund strahlen ehrwürdige Kathedralen.
Wir blieben zwei Nächte im „The Horse and Groom“ in Charlton, was früher sicher mal eine Station des englischen Pony-Express war. Was man hier machen kann? Schlendern, die Seele baumeln lassen, Pubs besuchen und ein paar Spaziergänge machen: beispielsweise in Malmesbury, Cirencester, Castle Combe oder Burford. Immer schön auf einem der Parkplätze parken! Im Ort nach Parkplätzen zu suchen, macht keinen Sinn.

Mit 1.500 Kilometern auf dem Tacho und 150.000 Schritten in den Beinen hatten wir in 10 Tagen England eine Menge gesehen und erlebt. Das Guesthouse „The Dial“ in Oxford sollte Homebase sein für einen ruhigen Ausklang unseres Roadtrips. Doch der letzte Tag riß uns nochmal aus dem Sattel: vor allem wegen des Christ Church Colleges und – für mich persönlich – wegen des Speisesaals. Dort wurde ein Teil von Harry Potter gedreht und es ist immer noch der alltägliche Speisesaals für die Studenten. Oxford ist, abgesehen davon, ein großartiges Freilichtmuseum. Es ist kaum zu fassen, dass all diese Gebäude nicht nur so alt sind, sondern bis heute die besten Studenten aus aller Welt beheimatet. Oxford is very busy, international & diverse. Das kann man schon mal zwei Tage aushalten, aber ich war froh, dass wir den Großteil des Trips auf dem Land verbracht hatten.
Am Ende stießen wir am Flughafen Heathrow – selig und erschöpft – auf 12 wunderbare Tage in England und Wales an. Wer hätte gedacht, dass dies ein so grandioser Roadtrip würde…

Wir hatten ab London Heathrow einen BYD SUV für unseren Roadtrip. Danke für das Upgrade, aber ehrlich gesagt war diese fahrende KP Zentrale eine Nummer zu groß für uns zwei und vor allem für die walisischen Straßen. Bucht lieber einen Kleinwagen. Gerade auf den Seitenstraßen Richtung Meer wird es oft so eng, dass kaum zwei nebeneinander passen.
Die Spritpreise sind wie in Deutschland, aber das Fahren ist deutlich entspannter und rücksichtsvoller. Kein Gehupe, kein Gedränge… Alle halten sich an die Geschwindigkeitsregeln und bremsen lieber ein bissl zu früh als zu spät.
Parken ist ein Kostenfaktor, egal ob am Strand oder in der Stadt: rechnet immer mit ca. 5-10 Pfund (immer Kartenzahlung möglich). Städte mit dem Auto am besten meiden, vor allem Touri-Spots, erst recht in der Ferienzeit.
Ein E-Auto wäre kein Problem: die Versorgung mit Ladestationen ist eng genug und die Reichweite ist angesichts Tempolimit und vielen Landstraßen hoch.
Wir hatten Warnungen im Ohr, dass England sehr teuer sei. Umso überraschter waren wir ob der moderaten Preise. Für gute Unterkünfte zahlten wir um die 150 € inklusive Parkplatz und Frühstück. Ein Full English Breakfast hält, zumindest uns, satt bis zum Abend. Das Pint Bier kostete zwischen 4 und 7.50 €. Salate, Burger, FishnChips, Fish Pie, Pizza und dergleichen lagen meist zwischen 12 und 20 €. Gleiches gilt für indische Lokale, wobei wir meist einfache Restaurants oder Pubs ansteuerten. Für Selbstversorger gibt es Aldi und Lidl mit vergleichbarem Preisniveau wie in Deutschland. Summa summarum sind England und Wales keine Billigreiseländer, aber keineswegs überteuert.
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