Süd-Indien von Kochi bis Chennai

Mit Fahrer durch Süd-Indien

Reisezeit und Dauer

19. Januar bis 3. Februar 2026

Wie sicher ist Indien für Touristen? Ist Indien gut zu bereisen? Kann man in Indien gut Urlaub machen? Ja, das sind Gassenhauer-Fragen, aber sie lassen trotzdem die Köpfe vieler Indien-Reisender rauchen.

Spirit der Reise

So war auch unsere erste Reise nach Indien eine schwere Geburt. Obwohl ich uns als weitestgehend furchtlos einschätzen würde, haben wir bei Indien lange gehadert: zu viele Menschen, zu viel Chaos, zu viel Spiritualität… Kurz nach Neujahr haben wir dann doch gebucht – über Kairo nach Kochi. „Wenn´s euch nicht gefällt, dann fliegt halt weiter“, meinte unser Sohn Tobias.

Es sollte eine unserer schönsten Reisen werden durch ein fantastisches Land mit herzlichen Menschen, schönen Momenten und unfassbar leckerem Essen zur idealen Reisezeit. Das Reisen bleibt in Erinnerung, weniger das Abreisen von Sehenswürdigkeiten. #incredibleindia

Das Buch zur Reise

Am Tag vor unserer Abreise schlenderte ich ziellos durch die Bücherstapel im Hugendubel. Durch Zufall fiel mir ein Buch ins Auge mit dem Titel „Die Träumenden von Madras“. Klick! „Madras, das kenn ich doch?“ Stimmt, das sollte unsere Endstation auf der bevorstehenden Indienreise sein – nur dass die Stadt heute Chennai heißt. Der Waschzettel verriet, dass diese Familiensaga genau zwischen Kochi und Chennai/Madras spielte – also genau auf unserer Reiseroute. Das Buch war der perfekte Süd-Indien-Erklärer.

On the road – unterwegs in Indien

Der Uber-Fahrer hatte uns kurz vor der Landung in Kochi um 5 Uhr morgens abgesagt. Er schaffe es nicht. Aber unter den fast 1,5 Milliarden Indern haben wir kurzfristig einen Ersatz gefunden. Frühmorgens war reichlich Betrieb und wir steuerten in einen Stau – Unfall vor uns. In Indien kein Problem: alle fuhren durch eine Lücke auf die Gegenfahrbahn. Dort wiederum arrangierten sich beide Richtungsfahrbahnen lautlos auf je eine Spur: Ohne Gehupe, ohne Polizei, reibungslos und flott. Im weiteren Verlauf der Reise wunderten wir uns also nicht, wenn in Einbahnstraßen Gegenverkehr aufkreuzte; selbst auf Autobahnen scheint es gängige Sitte, den Seitenstreifen für Gegenverkehr zu nutzen. Indien funktioniert anders, aber es funktioniert.

Fahrradfahrer habe auch in stockdunkler Nacht kein Licht an und die genauso dunkele Hautfarbe trägt nicht bei zu einer besseren Sichtbarkeit. Wobei: selbst die hellen Kühe bleiben nachts eine Gefahr, wenn sie unvermittelt aus dem Wald treten. So oder so: Selbstfahren ist keine Option.

Deswegen haben wir vor Ort einen Fahrer gebucht. Private Fahrer samt Auto findet man am einfachsten über internationale Hotels oder Reiseagenturen. Für 50 € pro Tag chauffierte uns Vysagh von Kochi mitten durch Südindien bis nach Chennai. Wir konnten entspannt reisen, kurzfristig planen und immer aussteigen, wenn es was zu sehen oder zu kaufen gab. Dank Vysagh kamen wir leicht in Kontakt mit Einheimischen und er erklärte uns viele Dinge entlang der Route.

Vor allem in den sehr dicht besiedelten Städten sind Platz und Raum Mangelware. Daher haben wir unserem Fahrer immer einen frühen Feierabend gegönnt und uns abends per Tuktuk ins Getümmel gestürzt. Tuktuks fahren – unaufgeregt und ohne großes Theater – auf Millimeter genau und sind für den Nahverkehr die mit Abstand beste und günstigste Option.

Ruhe-Oasen zwischen den Etappen

Auf dem Rücksitz unserer Limousine zuckelten wir mit einem überaus vorsichtigen Fahrer durch Süd-Indien. Wir erkannten schnell: Reisen durch Indien ist intensiv und es geht bei weitem nicht so flott voran wie auf europäischen Straßen. Ein Schnitt von 50 km/h gilt als zügige Fahrt. Erstens ist man alles andere als allein auf der Straße, zweitens fahren nicht alle regelkonform (falls es Regeln gibt?) und drittens ist alle paar Kilometer etwas geboten: Wir besuchten Tempel, wanderten durch Tee-Plantagen und Nationalparks, streunten durch wuselige Altstädte und stoppten zwischendrin immer wieder mal mitten im bunten Leben: in einem Palmenhain, bei Reishändlern, an Märkten Autobahnraststätten oder – am allerliebsten – in Restaurants. Wir kamen damit sehr gut zurecht, weil wir selbstbestimmt reisen konnten und so die Dosis indischen Lebens jederzeit steuern konnten. Wichtig blieb – rückblickend gesehen – dass wir zwischen den teils langen und anstrengenden Etappen gute Unterkünfte gewählt hatten – zur Erholung und Entspannung.

Kerala: Fort Kochi, Munnar, Periyar NP

Unser Fort Kochi Paradise Homestay war der ideale Einstieg: authentisch, sauber, freundlich, ruhig und gemütlich mitten in der Altstadt. Von hier aus konnten wir die wichtigsten Spots zu Fuß erkunden: den Hafen, das Fort Kochi und die Reste der portugiesischen Kolonialzeit. Unsere freundlichen Gastgeber organisierten einen Trip durch die Backwaters von Vaikom aus – in einem Boot mit umweltfreundlichem Handbetrieb, einem Abstecher zu einheimischen Palmdachflechtern und einem abschließenden Hochzeitsessen. Klingt nach viel Programm, aber den Ausflug kann man entspannt an einem Tag machen.

Die drei Tage in Kochi waren perfekt zum Akklimatisieren und zum vorsichtigen Eintauchen in die südindische Welt. Danach ging es in das Bergland der Westghats nach Munnar, das berühmt ist für seine Teeplantagen. Wir wohnten etwas außerhalb im eleganten Viceroy Mountain Ressort. Grandios war die Wanderung durch die Teeplantagen. Unser Führer erklärte uns die Bedeutung des Teeanbaus für Indien und was dies bis heute im Leben der Inder (und Engländer) bedeutet. In Munnar City waren wir nur kurz für einen Besuch des Kräutergartens.

Als letzte Station im Bundesstaat Kerala besuchten wir den Periyar Nationalpark. Wir blieben zwei Nächte im Mountain Courtyard Hotel in Thekkady, der Stadt am Eingang zum Nationalpark. Wir empfehlen für den Nationalpark gleich die erste Tour des Tages, weil man so den Busladungen von Menschen zuvorkommt. Auf einem Floß setzten wir über den Stausee und wanderten – nur wir zwei – mit unserem Führer durch das Reservat, wo es auch Tiger geben soll. Übern Weg gelaufen sind uns ein paar Büffel und am Schluss haben wir noch Elefanten am anderen Seeufer erspäht. Tiger hielten sich an dem Tag bedeckt. Lohnt sich der Besuch des Periyar NP? Für uns auf jeden Fall, weil wir ohnehin eher Natur und ländliche Gebiete entdecken wollten.

Tamil Nadu: Von Madurai nach Thanjavur

Auf dem Weg in den Bundesstaat Tamil Nadu muss man Checkpoints passieren. Die Bundesstaaten und ihre Sprachen seien sehr eigenständig und unterschiedlich, meinte unser Fahrer. Die eine indische Sprache gebe es nicht. Er kam mit seinem Malayalam, der Sprache Keralas, gut über die Runden in Tamil Nadu –  mit knapp 80 Millionen Einwohnern fast so groß wie Deutschland.

Auf unserer schönen Überlandfahrt nach Madurai machten wir Mittagspause in einer Autobahnraststätte, wo wir selbstgemachte frische Reisnudeln bekamen und unseren Vorrat an Nüssen aufstockten.

Madurai war dann die erste große Stadt für uns. Je näher wir dem Zentrum kamen, desto wuseliger wurde der Betrieb. Indische Großstädte sind ein paar Nummern größer und belebter, als wir das gewohnt sind. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass sich in dieser Umgebung ein schönes, ruhiges Hotel befinden könnte. Aber weit gefehlt: auf einmal bog  Vysagh durch ein Tempeltor und wir fanden uns wieder in der idyllischen Abgeschiedenheit des Heritage Resorts – mit lauter kleinen private Häuschen, eigenem Pool, Badminton Platz und unfassbar leckerem Buffet im Restaurant des Hotels.

Essen in Indien: Wir haben vieles probiert; nicht nur an den Buffets der Top-Hotels, auch an der Straße und in Autobahnraststätten. Wir hatten keinerlei Probleme. Im Gegenteil: Das Essen gehörte zu den Höhepunkten jedes Tages. Suppen, Gemüse, Samosas, Currys mit Fisch, Fleisch oder vegetarisch, Coconut (Kerala = Land der Kokosnüsse), gebraten, gekocht, gedünstet – die Vielfalt und Gewürze der indischen Küche sind unendlich.

Nach Madurai wollten wir an die Ostküste, aber waren unsicher, auf welchem Weg. Vysagh meinte, dass Thanjavur einen Stopp wert sei. Wir hörten das zum ersten Mal, aber er wird´s schon wissen. Als buchten wir das Great Trail Riverview, etwas außerhalb am Fluss, und fuhren dann per TukTuk in die Stadt. Was wir da an Tempeln sahen – u.a. den Brihadishvara Tempel – schlug alles bisherige um Längen. Ehrlich gesagt kann ich im Nachhinein auf den Bildern kaum mehr unterscheiden, wo wir welchen Tempel besichtigt hatten. Ich weiß nur noch, dass Thanjavur außerordentlich war.

Übrigens: Für Touristen ist die Besichtigung trotz langer Schlangen entspannt, weil wir nicht anstehen müssen für die allerheiligsten Plätze (in die wir eh nicht zugelassen sind).

Ostküste: Pondicherry und Mamallapuram

Pondicherry wird ziemlich gehypt in Reiseführern wegen seiner Bauten aus der Kolonialzeit und den noch erkennbaren europäischen Wurzeln – etwa in unserem Grand Hotel d´Europe. Hier tummeln sich eine Menge Traveller auf der Jagd nach Party. Für uns blieb es ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg ins Radisson Blue Temple Bay Resort in Mamallapuram. Das hatten wir uns nämlich ausgesucht für Entspannung am bengalischen Golf zum Ende unserer Reise. Volltreffer! Eine traumhafte Anlage am Rande von Mamallapuram! Wir erlebten dort wunderschöne Tage, besuchten die berühmten Anlagen rund um Arjuna´s Penance und den Shore Temple, tauchten in den lokalen Markt (und Wahlkampf) und genossen nochmal ausgiebig die indische Küche.

Vom Flughafen Chennai (ehemals Madras), 1 h entfernt, ging es zurück nach München.

Unsere erste Indien-Reise behalte ich in Erinnerung wegen der vielen schönen Momente im Alltag, der unfassbaren Farben, der freundlichen Menschen, der vielfältigen Landschaften, des großartigen Essens und des perfekten Wetters. #incredibleindia

Value for Money

Unsere Spannbreite für Unterkünfte reichte vom Fort Kochi Paradise Homestay für 20€ bis zum Temple Resort in Mamallapuram für gut 100 €. In Indien findet man für jeden Geschmack und Geldbeutel sowohl Unterkunft als auch Restaurants. Man kann alles mit Karte bezahlen. Rupien brauchten wir kaum, nur für Tuktuks und ab und zu auf dem Markt.

Unterwegs

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© Thomas Bily, rockingtravel.com