Nach 30 Jahren Abstinenz habe ich Griechenland durch Zufall wieder entdeckt, als mich mein Freund Russell zu seinem neuen Haus auf der Mani einlud. Dort erlebte ich eine der entspanntesten Urlaubswochen ever. Griechenland passt so dermaßen zu meinen Erwartungen an einen Urlaub: schön, unkompliziert, entspannt und vielseitig… im Grunde eine Traumfrau unter den Ländern. Seither versuche ich, meinen Geburtstag Ende September dort zu verbringen.
Athen zum Aufwärmen
Zum 50. und 51. brachte ich meine Familie nach Griechenland. Wir wollten auch die Hauptstadt kennenlernen und buchten uns ein im Hermes Hotel im Plaka Viertel, dem Touristenviertel Athens. Hier befanden wir uns mitten im Restaurant– und Einkaufsviertel und erreichten vieles zu Fuß – unter anderem den Lycabettus Berg für eine wunderbare Aussicht zum Sonnenuntergang, natürlich die Akropolis samt Museum und auch das alte Olympiastadion (Panathinaiko).

Aufgegebene Geschäfte und viele Obdachlose erinnerten daran, dass Griechenland sich aus einer schweren Krise zu erholen versucht. Trotzdem war nichts zu spüren von Spannungen oder Ressentiments gegenüber den Deutschen aus dem Land von Merkel und Schäuble. Die Stadt pulsiert und die Lust am Leben scheint ungebremst.
Am meisten ist los in der Gegend um die Akropolis. Im September halten sich Andrang und Hitze in Grenzen und die Tour durch die Anlagen ist entspannt. Ich fand die Akropolis und das Drumherum super und die 20 € Eintritt in die Anlagen allemal wert. Sparfüchse aufgepaßt: Jeden 1. Sonntag eines Monats ist der Eintritt übrigens frei.

Meine bevorzugte Art, Städte zu entdecken, sind Spaziergänge; in Athen am besten entlang den Straßen namens Ermou und Mitropoleos. Dabei stößt man immer wieder auf Wegweiser zu Sehenswürdigkeiten, Museen oder auch Shopping-Gelegenheiten und kann die nach Lust und Laune ansteuern.Wer lieber den Tag durchplant, kann sich eine Tour mit den üblichen Top 10 zusammenstellen. Alles in allem halte ich 2-3 Tage für einen ersten Eindruck von Athen für angemessen.
Auf zur Peleponnes
Unser Mietauto nahmen wir erst am Tag der Abfahrt auf, denn in Athen braucht man kein Auto. Die knapp 250 Kilometer bis Kalamata würde uns eine tipptopp Autobahn führen. Kleingeld nicht vergessen für die Maut!
Auf unserem Weg nach Süden kreuzten wir die Meerenge von Korinth. Für ein halbes Stündchen kann man schon mal von der Autobahn ausscheren, um zu bestaunen, wie riesige Tanker durch das Nadelöhr gleiten. Ansonsten schauten wir, dass wir zügig vorankamen. Die Strecke selber ist wenig spektakulär, die Landschaft eher bergig und trocken. Links und rechts geht es immer wieder zu Orten, die einem aus dem Geschichtsunterricht bekannt vorkommen – wie Delphi, Olympia oder Sparta. In Kalamata endet die Autobahn und auch diese Stadt schreit nicht nach einem Stopp, außer man möchte größere Einkäufe erledigen. Die letzten knapp 50 km geht es auf einer wenig ausgebauten, kurvigen Landstrasse.
Die Mani
Dann endlich schlängelt sich die Küstenstraße runter nach Kardamili, einem schönen, kleinen Touristenort ganz nach dem Spirit des STS Lieds: „Und irgendwann bleib i dann dort“. Der typische Gast: eine Mischung aus Aussteiger und Hippie, auf jeden Fall etwas non-konform und zumindest schein-intellektuell. Kardamili schlummert lässig an der Küstenstraße und wirkt im Vergleich zu den weiteren Orten entlang der Küste wie die Klassenschönste auf der Dorfschule. Für mich ein Grund, jedes Jahr einmal nach Kardamili zu fahren ist das Restaurant Dioskouri – über dem Meer schwebend mit einer schattigen Terrasse wie im griechischen Himmel.

Am besten außerhalb der Hochsaison
Wir kamen nach der Hauptsaison an. Das Meer war angeheizt nach einem langen Sommer, die Strände locker besetzt. Zu der Zeit ist die Mani schön, entspannt, unkompliziert, vielseitig – kurzum Griechenland, wie ich es am liebsten habe. Wir wohnten im Maniatiko Village, eine Sammlung von kleinen Steinhäusern, 1 km über der Bucht von Stoupa ruhig, mit guter Ausstattung und grandioser Aussicht. Von dort pendelten wir an die Strände von Stoupa. Baden, Sonnen, Beachvolleyball, Boccia oder Beachsoccer. Dazwischen bekamen wir vom Bademeister einen Frappé an den Liegestuhl serviert und um 3 Uhr nachmittags schlurfen wir in eine der Tavernen am Strand zum Mittagessen .

Abends fuhren wir gerne nach Agios Nikolaos. Da sitzen die Fischer vorm Fernseher und schauen Fussball oder spielen Karten in den Tavernen, das Meer plätschert an die Fischerboote an der kleinen Hafenmole. Eine Kulisse wie 30 Jahre eingefroren. Ein paar Tage lang kann ich diesen Chill-Modus gut durchziehen. Abwechslung bieten Ausflüge nach Sparta und die grandiose Ruinenstadt Mistras, die am Berg klebt mit Blick auf Sparta. Sehenswert ist auch die Tropfsteinhöhle von Pyrgos Dirou, die man auf einer unterirdischen Bootsfahrt entdeckt. Rechnet einen Tag für solche Ausflüge. Die Entfernungen sind zwar nicht groß, aber die Straßen sehr kurvig. Gerade die Strecke von Sparta nach Kalamata über die Berge ist ein kleines Abenteuer des 21. Jahrhunderts. Ich freue mich auf die nächsten Geburtstage Ende September in Griechenland. Ein besseres Geschenk gibt es nicht für mich. Und irgendwann bleib i dann dort…

Du liebst die Mani und Kardamili ?
Dann möchte ich dir einen guten Tipp geben, dass ist eigentlich schon Verrat. 🙂
Jedes Jahr Anfang Mai findet in Kardamili ein Jazzfestival statt, unter anderen von Bjarne S Aaserød aus Norwegen.
Die ganze Stadt, in fast jeder Taverne, und da gibt es sicher genügend davon, lebt die Musik, Jazz in allen Stilrichtungen.
Kardamili sprich in diese Zeit Norsk.
Die Norweger lieben Kardamili und chartern extra ein Flugzeug von Oslo nach Kalamata.
In dieser Zeit ist Kardamili ein Ort mit internationalen Gästen, ein Traum mit Musik und griechischer Freundschaft.
https://www.facebook.com/events/1783270821976990/
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Ach ja, passe auf das dein „und irgend wann bleib ich dann dort“ nicht immer im Irgendwann bleibt.
Grüße aus Griechenland von Hans .
Servus Hans, vielen Dank für deinen Tipp. Wollte eh im Mai hin:-)
Und du hast natürlich recht. Für hätte wenn und aber kann man sich am Ende nix kaufen.
kalispera!
Thomas