Oft unterschätzt: Der Bayerische Wald

Spitzenmäßiges Mittelgebirge

Reisezeit und Dauer

Wochenende im Herbst 2017

Echt und unverborben

Prätentiöses Chichi oder selbstoptimierende Weekend-Warriors passen nicht zum Bayerischen Wald. „Der Wald“ steht für die großen Trends der heutigen Zeit: Nachhaltigkeit, Zurück zur Natur und Authentizität. Hier leben die Menschen so, wie die meisten von uns leben wollen.

Gelassenheit, schnörkellose Geradlinigkeit und Naturnähe prägen Landschaft, Menschen und Leben im Bayerischen Wald. Das schlägt sich nieder in Speisekarten, Unterkünften, im Freizeitangebot und im Miteinander. So wie ihr in den Wald hineinruft, werden euch die Menschen aufnehmen. Muffel, Motzer und Menschenfeinde sollten lieber zuhause bleiben.

Eintauchen in die Natur

Im Grunde genommen könnt ihr von jedem Ort los wandern oder aufs Rad steigen. Markierte Wege und unberührte Natur findet ihr überall. Gipfelstürmer streben zum Arber, Rachel, Osser oder Lusen. So heißen die bekannteren Berge im Bayerischen Wald. Sie sind zwischen 1300 und 1500 m hoch. In einem Tag machbar ist auch die 8-Tausender Tour, eine Höhenwanderung von Arrach über acht Gipfel des Bayerischen Waldes mit ÖPNV Service zur Rückfahrt. Eine Mischung aus Wunderland und Urwald könnt ihr bei einer Schachtenwanderung erleben.

Auf dem Schachten

Wer nicht so gut oder gern zu Fuß unterwegs ist, muss nicht verzweifeln. Auch mit dem Auto erreicht man viele schöne Flecken und Aussichtspunkte. Und mit dem Bayerwald-Ticket könnt ihr die Gegend mit Bus und Bahn durchkreuzen – zu fairen Preisen in (fast) jeden Winkel. Ein paar Beispiele

  • Auf den Großen Falkenstein: Zum Ausgangspunkt Zwieslerwaldhaus kommt ihr mit dem Auto oder per Bahn und Bus. Von da aus gibt es verschiedene Aufstiegsvarianten. Die schnellste (rund 2 Stunden) läuft über den Kleinen Falkenstein. Der Weg ist für alle einigermaßen fitten Leute machbar. Keine Klettereien, keine allzu steilen Passagen. Im Sommer gibt es am Wegesrand Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren zu pflücken. Auch Schwammerlfans kommen zu ihrem Vergnügen. Oben wartet das neu (und geschmackvoll) gebaute Schutzhaus für ein Mittagessen oder eine Brotzeit in entspannter Atmosphäre und zu sehr zivilen Preisen.

Aushängeschild Nationalpark

Der Nationalpark Bayerischer Wald war der erste Deutschlands und ist nach wie vor Aushängeschild der Region. Dort kann man Bären, Luchse und Wölfe beobachten, im Baumwipfelpfad wandeln oder am Boden mit Wildschweinen spazieren. Durch den Zusammenschluss mit dem tschechischen Nationalpark Šumava (Böhmerwald) könnt ihr euch im größten Waldgebiet, dem grünen Dach Europas bewegen. Das reicht erst mal für ein paar Tage Naturerkundung.

Wo sieht man schon mal einen Auerhahn?

Der Bayerische Wald ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert, selbst für ein Wochenende oder einen Tagesausflug. Von München aus fährt man – meist stau- und stressfreie – in 1 1/4 Stunden auf der A92 bis Deggendorf, dem Tor zum Bayerischen Wald. Im Winter sind die Hänge von Arber und Geißkopf ideal für Anfänger und Fortgeschrittene – und zur Not beschneit. Angesagter und noch schöner sind Winter- und Schneeschuh-Wanderungen durch die Zauberlandschaft. Meine Lieblingszeit ist der Herbst mit großartigen Farben und leckeren Schwammerln.

Biken, Wellness, Chillen

Lange pflegte der Bayerische Wald ein biederes Image aus Glasbläserei, Bärwurz und Heimatabend. Das ist Gott sei Dank überwunden. Der Wald brezelt sich auf. Heute treffen sich jedes Wochenende Hunderte von Mountain Bikern auf der berüchtigten  „Geißkopfbahn Moutainbike-Zone“. Einmal im Jahr strömen Tausende von Motorradfahrern zum Elefantentreffen. Für sanftere Zeitgeister bietet die Region High-End-Wellness Hotels wie das St. Florian in Frauenau oder luxuriöse Chalet-Unterkünfte wie das Bergdorf Hüttenhof. Ein klassisch solides Bayerwald Hotel findet ihr in meiner Heimat March beim Oberen Wirt. Da könnt ihr gar nichts falsch machen.

Wenn ihr mal ausbrechen wollt aus der Natur, empfehle ich folgende Ausflüge (jeweils ab Deggendorf gerechnet): Prag (3h), Passau (1 h) oder folgende drei UNESCO Weltkulturerbe: Holašovice (2 h) und Česky Krumlov (ist nur ein halbes Stündchen weiter) oder Regensburg mit seiner italienischen Altstadt, dem Dom und der Steinernen Brücke (1h).

Land, Leute, Leben – alles im Einklang.

Der Bayerische Wald ist ein Kerngebiet Niederbayerns. Die Menschen hier sind im positiven Sinne einfach geblieben und nehmen sich selber nicht so wichtig. Für Gäste ist diese unkomplizierte, direkte Art oft überraschend, weil sie es von anderswo nicht mehr gewohnt sind. Hier geht es zu einem Interview mit meinen Gedanken zu Niederbayern auf BR Heimat vom August 2019.

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© Thomas Bily, rockingtravel.com