Für Ende September hatten wir rund um meinen 55. Geburtstag ein langes Wochenende in Rom geplant. Tage vor dem Abflug bahnte sich zwar eine zweite Corona-Welle an in einigen europäischen Ländern. Wir warteten bis zum Schluß mit unserer Entscheidung. Italien wurde erfreulicher Weise nicht mehr zum Risikogebiet erklärt. Das war ausschlaggebend für uns und so flogen wir Donnerstagmittag guter Dinge nach Rom.

Diszipliniertes Italien
Die Anreise per Flugzeug in Corona Zeiten verlief flott und unproblematisch. Natürlich mit Maske und einem Formular sowie Fiebermessen bei der Einreise. Insgesamt fiel uns in diesen Tage immer wieder auf, wie gut organisiert, diszipliniert und unaufgeregt Italien und die Italiener mit den Schutzmaßnahmen umgehen. Ohne Murren oder Protest haben sie die Vorschriften in ihren Alltag aufgenommen. Der Friseur, den ich besuchte, meinte, dass es zwar ab und an Demos gäbe vor allem in Rom, aber in sehr kleinem Ausmaß. Das, was man sich bei uns immer wünscht, pflegen die Italiener offensichtlich: Zusammenhalt untereinander und Respekt für das Wohl der Mitmenschen. Das Land wird zurecht als Vorbild genannt in diesen Tagen. Auch die Medien leisten ihren Beitrag und kochen nicht gleich jeden Protest zur Schlagzeile hoch.

Mit Maske im Petersdom
Wir hatten eine tipptopp Wohnung gefunden über sonder.com mit freundlicher und unkomplizierter Handhabung von der Buchung bis zum Check-Out. Der Palazzo lag direkt am Tiber, Höhe Ponte Cavour, zwischen Engelsburg und Spanischer Treppe. So konnten wir alles zu Fuß erkunden und erledigen: vom Sightseeing bis zum Einkaufen oder den Friseurbesuch. Sogar die Jogging-Strecke am Tiber lag direkt vor der Haustür.
Beim Spaziergehen in der Stadt fühlten wir uns gut aufgehoben. Alle touristischen Plätze und frequentierten Straßen werden gut bewacht und kontrolliert. Armee und Polizei sind sehr präsent. In Geschäften und Restaurants (bis zum Tisch) sind Masken zu tragen. Ebenso innerhalb touristischer Sehenswürdigkeiten wie Petersdom, Colosseum oder im Viktor Emanuels Denkmal an der Piazza Venezia. Im Freien dagegen, wie am Trevi Brunnen oder an der Spanischen Treppe, braucht man keine Maske zu tragen. Allerdings ist auf Abstand zu achten.
In Summe sind spürbar weniger Touristen in Rom, für jedoch Abfertigungen und Kontrollen deutlich aufwändiger sind als früher. So sind selbst vor dem Petersdom die Schlangen kurz. Die Wartezeit bleibt trotz Kontrollen überschaubar.

Gedämpfter Tourismus
Traumhaftes Wetter, leckeres Essen, schöne Spätsommer-Stimmung – aber wenige Touristen. Nicht dass die Stadt leer wäre. Sagen wir lieber: locker und luftig gefüllt. Aus Sicht von Gastronomen, Hoteliers, Taxifahrern und sonstige Dienstleister ist die Lage eher traurig – kein Vergleich zum früheren Gedränge, wo man alles an alle verkaufen konnte. Auch für die fliegenden Händler mit ihren Billig-Souvenirs, Regenschirmen oder Handtaschen sind die Zeiten schwierig geworden. Umso aufdringlicher sind sie an den bekannten Spots wie Trevi Brunnen oder Campo dei Fiori. Ignorieren oder abweisen sind die beste Varianten.
Am letzten Tag hat es geregnet. Es wurde sichtbar und spürbar, wie traurig die Stadt an grauen Corona-Tagen werden kann. Aber bald ist wieder Sonne in Sicht und dann ist Rom, meiner Meinung nach, schöner und einladender als je zuvor.

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